Künstlerinnenprojekt 10 Jahre Schwarz-Blau „GEACHTET – GEÄCHTET“

In den Wintertagen vor zehn Jahren – exakt am 4. Februar – wurde die erste schwarz-blaue Regierung Österreichs vom damaligen Bundespräsidenten Thomas Klestil dem Anlass entsprechend mit eisiger Miene angelobt. Denn es handelte sich dabei um einen europäischer Tabubruch ersten Ranges, den der damalige ÖVP-Bundesparteiobmann und Außenminister Wolfgang Schüssel beging. Trotz des Wahlversprechens vor der Nationalratswahl 1999 dann in Opposition gehen zu wollen, wenn die ÖVP den dritten Platz belegt, schnürte er über den Umweg von langwierigen so genannten Sondierungsgesprächen einen Koalitionspakt mit der Rechtsaußenpartei FPÖ unter ihrem damaligen Parteichef Jörg Haider.

Panorama Foto der Ausstellung: Geachtet-Geächtet im Ragnarhof

Die Folgen der anrüchigen Regierungsbildung waren verheerend: Im Inland kam es zu Massenprotesten gegen die erste rechts-rechtsaussen Koalition der II. Republik. Vor dem Ballhausplatz wurde die Botschaft der besorgten Bürgerinnen und Bürger eingerichtet, die Donnerstagsdemos wurden ins Leben gerufen und die EU-14 verhängten Sanktionen gegenüber österreichischen Diplomaten. Es handelte sich um eine symbolische Geste; die Kontakte mit den österreichischen Diplomaten wurden auf ein Minimum herabgestuft. Die Europäer wollten so den cordon sanitaire, den andere Staaten (z.B. Frankreich gegenüber Le Pen) gegenüber Rechtaußenparteien errichtet hatten auf Österreich übertragen.

Der schwarz-blauen Koalition gelang es im Inland die diplomatischen Maßnahmen in „Sanktionen“ umzuintepretieren , die Reihen wurden dicht geschlossen und die Österreicher vom neuen Bundeskanzler zum „Schulterschluss“ gegen das „feindliche Ausland“ aufgerufen. International machten die Maßnahmen der EU 14 als Geste der Ächtung von Regierungen, denen Parteien angehören, die ein schlampiges Verhältnis zum Nationalsozialismus und antisemitischem sowie ausländerfeindlichem Gedankengut geprägt ist, wie dies bei der FPÖ der Fall ist, zwar Sinn ¬- im Inland gelang es den neuen Machthabern Schüssel, Haider & Co. jedoch hinter dem Vorhang der Sanktionen einen autoritären Kurs mit starker neoliberale Prägung einzuleiten.

Es kam zu antidemokratischen Auswüchsen in der Alpenrepublik. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der damaligen Justizminister Dieter Böhmdorfer fand die Idee von Jörg Haider „Oppositionelle einzusperren“ für „überlegenswert“.

Gegen die Regierungsbildung gegen den WählerInnenwillen und die autoritären Reflexe lehnten sich zahlreiche Österreicherinnen und Österreicher auf. Vor allem die von Schüssel als „Internetgeneration“ diffamierte Jugend hat offensichtlich aus der düsteren Vergangenheit Österreichs in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelernt. Es kam zu zahlreichen Aktionen von Künstlerinnen und Künstlern, nicht nur in der Bundeshauptstadt und die legendären Donnerstagdemonstrationen wurden erfunden. Eine neue politische Protestkultur nahm ihren Anfang.

Die Ausstellung „Geachtet –Geächtet“ bringt einen Überblick über die Widerstandsarbeiten, zeigt die Entstehungsgeschichte der neuen Protestkultur und liefert so einen Beitrag zur Aufarbeitung der unmittelbaren österreichischen Zeitgeschichte. (kkp)

Projketträgerin: Verein Mattseer Konferenz

KünstlerInnen: El Awadalla, Eva Möseneder, Lisa Rosenblatt, Charlotte Eckler, August Bisinger, Elia Gurna, Sweet Susie, Monomania, Johanna Kandl, Ursula Napravnik, Botschaft der besorgten BürgerInnen, United Aliens, Volxtheater, Christoph und Lollo, Deutschbauer & Spring, Fred Baker, Martin Music,Doron Rabinovici, Marius Gabriel, Widerstandslesungen,I-Wolf, KaTSey, Stefan Weber + Sü-Vaal, Christine und Irene Hohenbüchler,Kapputtnicks,Das Halbe Quartett,Trishes,Traude Korosa, Hannes Reisinger,Dj Muadib, DJN Rosie 2 and the Systemrockers ° Ginmüll & Liko, Manni Montana,Dj Kompact , Dj Lens J,HSC (Hörspiel Crew), Ironen Zeitung, Vroni Katona, starsky, rsy, Albert, TEXTA, Sonja Tollinger, TATblatt-WiderstandsChronologie, Gerhard Ruiss, MUND, Peter Feldmann, Sven Hilberth/UTV,…